Ratten bekommt man in Leipzig selten zu sehen, denn sie sind nachtaktiv und halten feste Laufwege ein; wer eine sieht, hat mehrere. Man findet ihre Spuren: im Gründerzeithof in Reudnitz, am Müllstandplatz in Grünau, am Kellerfenster zum Hof. Am Anfang stehen deshalb immer zwei Fragen: Wo kommen die Tiere herein, und wie viele sind es?
Davon hängt ab, wie viele Stationen wir setzen und welche Stellen danach dicht müssen. Weil in Leipzig bei Rattenbefall eine Anzeige an die Stadt fällig ist, bekommst du jeden Schritt von Anfang an schriftlich.
Ratten in Leipzig melden: die Pflicht aus § 22 PolVO
Leipzig regelt den Umgang mit Ratten in seiner Polizeiverordnung vom 26. Februar 2020. Nach § 22 Absatz 1 müssen Eigentümer von Grundstücken, Gärten, Lagerplätzen, Ufern und Kanalisationen einen Rattenbefall unverzüglich der Stadt Leipzig anzeigen und ihn nach dem Infektionsschutzgesetz bekämpfen lassen. Absatz 3 nimmt daneben jeden in die Pflicht, der die tatsächliche Gewalt über das Grundstück ausübt, also Mieter, Pächter und Hausverwaltungen.
Wer die Anzeige unterlässt oder nicht bekämpft, riskiert nach § 24 Absatz 2 eine Geldbuße bis 5.000 Euro. Die Anzeige geht an das Ordnungsamt, über das Ordnungsformular auf leipzig.de oder das Ordnungstelefon 0341 123-8888. Als Mieter meldest du den Befall dem Vermieter oder der Hausverwaltung, denn nach § 536c BGB musst du Mängel an der Wohnung anzeigen. Eigentümer und Verwalter können der Stadt unser Protokoll mit Befund, Stationen und Terminen vorlegen.
Wanderratten in Leipzig: Kanalufer, Kleingarten, Müllplatz
Die Wanderratte ist die Art, um die es in Leipzig geht. Laut Umweltbundesamt misst sie 19 bis 30 Zentimeter von Kopf bis Rumpf und wiegt bis zu 500 Gramm; ein Weibchen bekommt bis zu sechsmal im Jahr durchschnittlich acht Junge, die nach zwei Monaten geschlechtsreif sind, und sie leben in Rudeln. Die Stadt Leipzig sagt selbst, Ratten gehörten zum üblichen Stadtbild, mit regelmäßig erhöhten Fallzahlen in Paunsdorf und Grünau.
Dazu kommt der Gewässerknoten aus Weißer Elster, Pleiße und Parthe; Ufer und Kanalisation stehen in § 22 nicht zufällig, und der Karl-Heine-Kanal zieht sich rund 3,3 Kilometer durch Plagwitz. Im Herbst ziehen die Tiere in die Gebäude, laut Landesamt LAVES die Regel. Füttern ist nach § 21 verboten; Vogelfutter am Boden, Speisereste im Kompost und der offene Müllsack füttern trotzdem, auch in den 278 Kleingartenanlagen der Stadt mit über 39.000 Parzellen (leipzig.de).
Rattenbekämpfung in Leipzig, Schritt für Schritt
Die Zeichen: Kot von ein bis drei Zentimetern, Schmierspuren an Wänden, angenagte Kabel, Löcher mit ausgeworfener Erde, nachts Geräusche in Decke oder Wand. In Leipzig heißt das: Hinterhöfe in Plagwitz und Reudnitz, Müllstandplätze in Grünau. Beim ersten Termin gehen wir Keller, Hof, Müllplatz, Kompost, Kellerfenster, Rohrdurchführungen und Kanalanschlüsse ab.
Steht der Befall nicht fest, legen wir wirkstofffreie Köder zum Monitoring aus, denn Antikoagulanzien-Köder ohne festgestellten Befall sind nach der Guten fachlichen Anwendung des Umweltbundesamts verboten. Steht er fest, setzen wir verschlossene, verankerte Köderschutzstationen; näher als fünf Meter an Gewässern oder Straßenabläufen, etwa am Karl-Heine-Kanal, nur manipulationssichere.
Rattenbekämpfung abschließen: Nachkontrolle, Zugänge, Abbau
Die Beköderung dauert in der Regel 21 Tage. Seit dem 1. Juli 2026 erlauben die Zulassungen höchstens einen Monat je Phase. Bei jeder Kontrolle lesen wir die Stationen ab, füllen nach und suchen das Gelände nach toten Tieren ab. Leipzig zählt laut Regionaldatenbank Deutschland 28.956 Wohngebäude mit drei oder mehr Wohnungen (Bestand zum 31.12.2024); dort brauchst du für Keller, Hof und Müllplatz die Hausverwaltung.
Dann kommt der Teil, der über die Wiederkehr entscheidet: Gitter vor das Kellerfenster, Durchführung vermörteln, Müllplatz umbauen, Kompost ohne Speisereste. Im Beispielfall aus Plagwitz betraf das den Erdbau unter der Pflasterkante, der verfüllt wurde, und die Kabeldurchführung zum Keller.
- Befallsanzeige
- Die Meldung an die Stadt Leipzig nach § 22 PolVO, per Ordnungsformular oder Ordnungstelefon. Die Bekämpfung ersetzt sie nicht.
- Monitoring
- Wirkstofffreie Köder, bevor ein Rodentizid ausliegt. Sie zeigen, ob und wo Ratten fressen, im Hof in Reudnitz wie in Grünau.
- Köderstation
- Verschlossene, verankerte Box mit dem Köder innen, für Kinder, Hunde und Igel unerreichbar. Jede steht nummeriert im Protokoll.
- Schlagfalle
- Für ein einzelnes Tier im Keller, nie im Freien. Nach § 4 Tierschutzgesetz sehen wir jede Falle täglich nach.
- Nachkontrolle
- Die Kontrolltermine nach dem Auslegen, im Beispielfall Plagwitz zwei. Je Station steht im Protokoll, ob und wie viel Köder fehlt.
4 Termine
Beispielfall Plagwitz, Hinterhof mit sechs Parteien: Stationen am ersten Tag, Kontrollen an Tag 10 und 21, Abschluss an Tag 30
30 Tage
vom ersten Termin bis zum Abbau der Stationen. Der Köder lag davon 21 Tage aus, die letzte Kontrolle lief ohne Köder
6 Stationen
verschlossen und verankert in Hof und Keller. Dazu zwei Zugänge dicht: der Erdbau an der Pflasterkante und eine Kabeldurchführung
Alle drei Werte stammen aus dem Beispielfall Plagwitz, den auch die Belegkarte auf der Startseite zeigt. Es sind Richtwerte eines typischen Verlaufs; die 21 Tage Beköderung nennt das Umweltbundesamt.